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Seit zwei Jahren entstehen in der Werkstatt von Titus Karlen (2) und
Walter Maurer (3) Rucksäcke, Schlüsselanhänger und Taschen
aller Art.
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Es ist längst bekannt:
Das Schweizer Armeemesser ist das beste Taschenmesser der Welt. Dass
jedoch die Schweizer Armee auch Stoff nicht nur für den praxisorientierten
Klingenfreak liefert - und das im wahrsten Sinn des Wortes -, ist noch
immer etwas für Insider. Die Geheimwaffe für den modischen
Touch stammt aus Törbel, einem Dorf weitab von den Modezentren
und Laufstegen der Welt.
Törbel liegt - oder besser klebt - an einem steil abfallenden Südhang
auf 1500 Metern über Meer. Der Blick geht in tief gefurchte Täler
hinüber und auf die mit ewigem Schnee gekrönten Gipfel von
Viertausendern. Man befindet sich im Oberwallis, wo die Menschen einen
archaischen Dialekt sprechen, aber trotz der vielen Felsdome rundherum
keineswegs hinterm Berg leben. In der kleinen Schuhmacherwerkstatt und
einem nicht eben geräumigeren zweiten Atelier sitzen Frauen hinter
Stanz- und Nähmaschinen, schneiden aus gräulich-braunen, zuweilen
ins Rötliche oder gar ins Violette spielenden Filzstoffen Muster
aus und nähen sie zu Taschen, Täschchen, Rucksäcken,
Bodybeuteln oder Portemonnaies zusammen. Dem Eingeweihten - sprich,
jemandem, der Erfahrungen mit dem Schweizer Militär gesammelt hat
- kommen diese Stoffe äusserst bekannt vor, und es ist nicht auszuschliessen,
dass er oder auch sie in ähnlichem Material einmal geschlafen hat.
Es handelt sich nämlich um Wolldecken aus Armeebeständen.
Untrügliches Indiz dafür ist das weisse Kreuz auf rotem Grund,
das jede Decke ziert und nun prominent auf den modischen Accessoires
prangt.
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| Der
Lauf der Dinge
Die Idee zur Verwendung ausgedienter Armeegegenstände als Grundstoff
für Modeartikel hatte der St. Galler Walter Maurer. Für die
Produktion hat er den Schuhmacher und Sattler Titus Karlen gewinnen können.
Karlen ist ein Handwerker von altem Schrot und Korn und ein echter Törbler,
der sein Dorf nur kurz während der Lehrzeit verlassen hat. In seinem
Betrieb hat Karlen schon fast alles hergestellt, was man aus Leder und
Stoff machen kann, und nicht zuletzt war er immer wieder für die
Armee tätig gewesen, hat Schuhe, Rucksäcke und sogenannte Marschpackungen
geschneidert. Dass er nun, nachdem die Aufträge des Bundes rar geworden
sind, ausgediente Armeestoffe zu friedlicheren Verwendungszwecken weiterverarbeitet,
scheint für ihn so eine Art Lauf der Dinge zu sein.
In Törbel ist man es sich gewohnt, flexibel zu sein. Auf 1500 Metern
über Meer sind der Beschäftigungsmöglichkeiten nicht übermässig
viele: etwas Landwirtschaft, etwas Tourismus. Die meisten Männer
arbeiten im Tal. Die Sattlerei ist für viele Frauen eine der wenigen
Möglichkeiten hier im Ort etwas zu verdienen. «Wir mussten
immer ums Überleben kämpfen», meint Karlen. Mit den Army-Recycling-Taschen
scheint man auf eine Goldmine gestossen zu sein. «Wir kommen mit
der Produktion kaum nach», beteuert Maurer. Vor den Sommerferien
müsse noch eine Lieferung für Japan raus, sagt er, und der einheimische
Markt scheint ebenso unersättlich. Hinzu kommen noch die Arbeiten
an Lederkollektionen, die nebenher gehen. Aber lieber zu viel Arbeit als
zu wenig, lautet die Devise in Törbel.
Army goes Techno
Der Erfolg der Army-Decken-Produkte scheint mancherlei Gründe zu
haben. Sicherlich reitet Mago auf einer eigentlichen Army-Welle. Aber
da ist noch mehr, denn die sorgfältig gearbeiteten Taschen mit dem
Schweizerkreuz, deren Lederbordüren und Träger aus ehemaligen
Armeegürteln hergestellt sind und die zum Teil mit Verschlüssen
aus gedrechseltem Holz versehen sind, wirken nicht besonders kriegerisch.
Es ist vor allem ein gutes Gefühl, sie zu berühren. Und schliesslich
sind sie garantiert unverwechselbar. «Mit den Taschen haben wir
ein völlig neues Kundensegment gewonnen», weiss Maurer zu berichten:
nicht die Touristen, die Edelweiss und Trachtenlook wünschen, sondern
ein trendbewusstes Grossstadtvölkchen, das den Armeefilz an Techno-Partys
trägt. Ein Ende der Welle ist zurzeit nicht abzusehen. |
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Accessoires
im Ethno-Look: Die modischen Army-Produkte des Labels Mago mit
Edelweiss-Applikationen und Hornknöpfen kosten zwischen 10 und 300
Schweizer Franken.
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Im
Gegenteil: Karlen und Maurer planen schon die nächste Kollektion.
Geht ihnen da nicht der Stoff aus? «Wir haben ganze Garagen voll
von Decken», sagen die Designer vom Berg. Die Armee hat in den Jahren
der Aufrüstung fleissig für den Nachschub gesorgt. Zwar hörte
die Wolldeckenproduktion 1964 auf. Damals führte die Schweizer Armee
Schlafsäcke für die Truppe ein. Aber die Bestände, die
man für den Katastrophenfall gehortet hat, reichen noch für
eine ganze Menge Taschen. Und auch die anderen Materialien - Gürtel,
Schnallen und Riemen - lagern in den Zeughäusern zuhauf. Überdies
inspirieren manche Gegenstände, deren Zweck kaum mehr zu erraten
ist, Maurer zu neuen Schöpfungen. Zwar werden noch keine Schwerter
zu Pflugscharen umgeschmiedet, doch so kleidsam waren Accessoires der
Schweizer Armee zweifellos niemals zuvor!
Trendige Taschen mit Schweizerkreuz
Die Army Recycling Collection des Labels Mago ist in den Schweizer Städten
vor allem in jungen Trendgeschäften zu finden.
Vertrieben werden die Produkte aus dem Wallis zum Beispiel bei Streule
in Appenzell
und in den Heimatwerk-Filialen, die auch auf Schweizer
Flughäfen zu finden sind. Informationen über die Produkte, deren
Preise sich zwischen knapp CHF 10.- und CHF 300.- bewegen, bekommt man
unter Karlen Sattlerei- und Handels GmbH. CH-3923 Törbel.
Tel. +i 27 952 11 13, Fax +41 27 952 13 25, E-Mail mago.karfen@freesurf.ch.
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