Wer im Internet
www.toerbel.ch anklickt, trifft auf eine intakte Welt: ein kleines Oberwalliser
Dorf auf 1500 Metern Höhe, in den sonnigen Südhang hineingebaut,
dunkelbraune, sonnengebräunte Holzhäuser, enge Gassen, im
unteren Dorfteil eine alles überragende moderne Kirche. Ausgangspunkt
für herrliche Wanderungen im Sommer, ein ausgedehntes Skigebiet
im Winter mit Blick auf die höchsten Viertausender: Törbel
für Touristen.
Wie die meisten Bergdörfer hat Törbel seine Schattenseiten.
Die Erwerbsmöglichkeiten im Dorf mit 580 Einwohnern sind beschränkt,
die Landwirtschaft in den steilen Hängen beschwerlich. Die Winter
hart. Von Bedeutung ist das Handwerk: Das kunstvolle Fertigen von Trachtenpuppen
oder Miniaturstadel aus Holz für die Touristen hat in Törbei
Tradition und bringt einen wichtigen finanziellen Zustupf.

Armee
rezykliert
Während Jahrzehnten war die Armee für das Bergdorf ein bedeutender
Arbeitgeber. In der Sattlerei Karlen wurden neben gutem Schuhwerk für
die Einheimischen und Riemen für Kuhglocken auch Schuhe und Rucksäcke
für das Militär hergestellt. Seit die Armee synthetrische
Materialien bevorzugt, sind die Aufträge zurückgegangen -
und die Zeughäuser voll von ungebrauchten Wolldecken. Segeltuch
und Lederwaren in erstklassiger Qualität. Hans Jörg Karten
und sein Mitarbeiter Walter Maurer wollten das nicht einfach hinnehmen.
Sie kamen auf eine Idee: Seit einem Jahr entstehen in ihrer Werkstatt
aus jahrzehntelang gelagerten, ungebrauchten Militärwolldecken
schöne und praktische Rucksäcke und Hüfttaschen. Tragriemen
und Ledereinfassungen stammen teilweise von alten Gewehrriemen, die
Holzteile von Pferdezaumzeug und die Knöpfe von Uniformen. Verziert
sind die Rucksäcke und Taschen mit applizierten Edelweiss - ein
bisschen Ethnolook passt perfekt.
Für drei Männer und sieben Frauen bietet die Sattlerei Arbeitsplätze.
Die meisten arbeiten teilzeitlich, um die vielfältigen Ansprüche
von Familie, Landwirtschaft und Arbeit in der Sattlerei unter einen
Hut zu bringen.
Klar, dass in den langen Regenperioden und im Winter mehr genäht
wird als im Sommer. Wie es eben Tradition ist in Törbel.
BRIGITTE STUCKI